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Wenn Würfel über Holztische rollen

Wenn Würfel über Holztische rollen und Gelächter durch alte Mauern hallt, zeigt sich das Kapuzinerkloster Wesemlin von einer ungewohnten Seite.

Das historische Refektorium, sonst von Stille und Gebet geprägt, verwandelte sich für einige Stunden in einen lebendigen Spielraum. Menschen jeden Alters sassen beieinander, mischten Karten, warfen Würfel und rückten Spielsteine über bunte Bretter. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Spielenachmittag wirkte, entfaltete rasch eine besondere Dynamik.

Hier trafen Generationen aufeinander, die sich im Alltag kaum begegnen. Ein Neunzigjähriger spielte Seite an Seite mit Kindern und Jugendlichen. Fremde wurden zu Mitspielenden und bald zu vertrauten Gesichtern. Die Regeln der Spiele galten für alle gleich und schufen eine stille Form von Gerechtigkeit. Unterschiede in Alter, Erfahrung oder Herkunft traten für einen Moment in den Hintergrund. Stattdessen entstand ein Raum, in dem Gemeinschaft ganz selbstverständlich wuchs.

Auf den Tischen lagen bekannte Klassiker und neuere Entdeckungen bereit. Sagrada wurde mit sichtlicher Freude an Farben, Formen und Strategien gleich mehrfach gespielt. King of Tokyo brachte Tempo, Spannung und spontanes Lachen in die Runde. Mit Leo, der 13. fand sogar ein Spiel Platz, das im Umfeld des Gamers Point entwickelt wurde. Für die jüngeren Kinder boten Das verrückte Labyrinth und Drecksau unkomplizierten Spielspass.

Besonders lebendig wurde es bei einem Würfelspiel, bei dem das Bluffen ausdrücklich erlaubt ist. Mit ernstem Blick und verstecktem Schmunzeln versuchten sich die Spielenden gegenseitig zu täuschen. Ein Mitbruder gestand lachend, er habe «wie verrückt gelogen» und sei damit erstaunlich erfolgreich gewesen. Gerade solche Momente machten deutlich, dass Spielen mehr ist als Zeitvertreib. Es wurde zu einem Experimentierfeld für Rollen, Mut, Strategie und Humor.

Zwischendurch wurde gerechnet, überlegt und mitgefiebert. Konzentrierte Gesichter beugten sich über die Spielpläne und lösten sich wieder in herzhaftes Lachen. Gewinnen und Verlieren gehörten gleichermassen dazu und wurden mit Gelassenheit getragen. Wer ausschied, blieb dennoch Teil der Runde und des Gesprächs. Ein älterer Mitbruder meinte schmunzelnd, Jassen könne er gut, diese Spiele seien jedoch «eine leichte Überforderung».
Auch solche ehrlichen Worte fanden ihren Platz und wurden mit Respekt aufgenommen.

Eltern spielten mit ihren Kindern, Kinder spielten mit fremden Erwachsenen, und niemand fand das ungewöhnlich. So zeigte sich, dass Gemeinschaft weit über familiäre Grenzen hinausreichen kann. Der Nachmittag war schlicht, echt und gerade deshalb berührend.

Am 26. April wird dieser Brettspielnachmittag wiederholt und lädt alle ein, die Freude am Spiel und an Begegnung haben.

- bruder george