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Kopf und Hand

Ab und zu finden am Sonntag im Kapuzinerkloster Wesemlin Spielnachmittage statt. Da braucht es Köpfchen. Dieses lässt sich fotografisch nicht festhalten. Aber die Hände schon. Hier einige Impressionen.

Manchmal sitzt die Weisheit nicht in langen Reden, sondern in Händen, die würfeln, Karten mischen, Figuren schieben. Bruder Adrian hat genau diese Hände fotografiert – alte und junge, geübte und unsichere, jede auf ihre Art ein krasses Zeugnis von Fokus, von echtem Spass, von diesem einen Moment, wo Kopf und Hand einfach synchron laufen.

Beim Brettspiel passiert wirklich etwas: Der Kopf plant drei Züge weiter, ist voll im Strategie-Modus, während die Hand kurz hängt – und dann einfach den Move macht. In den Räumen des Kapuzinerklosters Wesemlin treffen Generationen aufeinander, und plötzlich ist der Altersunterschied komplett egal. Alle am gleichen Tisch, alle mit demselben Blick, wenn's spannend wird.

Die Hände auf den Fotos erzählen ihre eigenen Storys: Die Hand, die zittert, aber trotzdem klar denkt. Die junge Hand, die gerade lernt, mit Niederlagen umzugehen. Die Hand, die erklärt, ermutigt, weiterhilft. Im Spiel fallen die Masken – man wird einfach man selbst. Genau das hat diese Nachmittage so besonders gemacht.

Kopf und Hand – das ist eigentlich alte Mönchsweisheit. Die Benediktiner hatten's mit Ora et labora, beten und arbeiten. Heute würde man vielleicht sagen: denk und spiel. Denn im Spiel entsteht ein Raum, wo man voll präsent ist, wo Zeit anders läuft, wo Gemeinschaft sich nicht erklärt, sondern einfach passiert. Diese Hände auf Bruder Adrians Bildern sind mehr als Körperteile – sie sind Verbindungen zwischen Menschen, lebendige Zeugen von geteilter Zeit, von Lachen, von konzentriertem Schweigen.

- bruder george