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Josef – still, treu und wegweisend

Es gibt Persönlichkeiten, deren Wirkungskraft nicht aus lauten Worten, sondern aus der Stille ihres Handelns erwächst. Josef, der Pflegevater Jesu, steht exemplarisch für diese Haltung, denn obwohl er in der Bibel kein einziges Wort spricht, gestaltet er Geschichte massgeblich mit.

Wo andere diskutieren, hört er hin, ringt im Gebet und folgt dem göttlichen Ruf, auch wenn der Weg im Dunkeln liegt. Indem er dem Kind den Namen Jesus gibt, übernimmt er die Vaterschaft durch eine bewusste Entscheidung des Vertrauens statt durch biologische Herkunft. Wie Abraham wird er zum Träger einer Verheissung, die seine eigene Lebenswirklichkeit weit übersteigt.

Dieses spirituelle Vorbild findet im klösterlichen Alltag einen besonderen Widerhall. Es geht darum, Leben anzunehmen, das nicht aus dem eigenen Willen entspringt, und Menschen zu begleiten, ohne sie besitzen zu wollen. Wahre geistliche Fruchtbarkeit entsteht oft in Räumen, die für etwas Grösseres offen gehalten werden, ohne dass viele Erklärungen nötig sind.

Am Josefstag versammelte sich die Gemeinschaft im Kloster Wesemlin, um gleich drei Mitbrüder zu ehren, die diesen bedeutenden Namen tragen. Bruder Josef Bründler, Bruder Josef Regli und Pater José Luis Tejería Ruiz standen im Mittelpunkt einer herzlichen Feier. In der gemeinsamen Runde wurde deutlich, wie vielfältig sich das Wesen des Heiligen in unterschiedlichen Charakteren spiegeln kann. Bruder Josef Bründler bringt als Wortliebhaber lebendige Impulse in die Gemeinschaft, was einen spannenden Kontrast zum schweigsamen Patron bildet. Bruder Josef Regli verkörpert hingegen das stille Ja zur göttlichen Führung durch seine verlässliche und vertrauensvolle Art. Pater José trägt die beständige Präsenz des Heiligen auf eine ganz natürliche und ruhige Weise in sich.

So zeigt sich, dass ein und derselbe Heilige viele Gesichter hat und in jedem Menschen etwas von seiner Essenz aufleuchtet. Die Feierlichkeit wurde bewusst schlicht gestaltet, um dem Geist der Fastenzeit gerecht zu werden. Es war kein prunkvolles Fest, aber ein echtes Treffen voller Dankbarkeit und gemeinsamer Momente des Innehaltens.

Besonders bewegend wirkte die musikalische Gestaltung der Vesper mit einem Stück aus der Zäller Wiehnacht. Die vertrauten Melodien vergegenwärtigten die zeitlose Erfahrung, dass sich Türen öffnen können, selbst wenn sie zuvor verschlossen schienen. Josef öffnet leise den Zugang zu einem Glauben, der handelt und vertraut, ohne grosse Worte zu verlieren.

- bruder george