Herzschlag des Glaubens: Kapuziner und Chorherren beleben alte Tradition
Das jüngste Treffen zwischen den Kapuzinern des Klosters Wesemlin und den Chorherren aus Luzern zeigte eindrücklich die verbindende Kraft des Gebets. Obwohl die Gemeinschaften nur einen Kilometer voneinander entfernt sind, brachte erst das gemeinsame Gebet sie wirklich zusammen.
Bruder Josef Haselbach, frisch vom Generalkapitel in Rom zurückgekehrt, betonte die immense Bedeutung des Gebets für den Kapuzinerorden. In Rom diskutierten 180 Brüder aus 102 Ländern über die Zukunft des Ordens, wobei das Gebet als Fundament des Ordenslebens ein Kernthema war.
"Wer zusammen betet, hält auch zusammen", so Haselbach. Diese Erkenntnis gewinnt angesichts aktueller Herausforderungen besondere Relevanz. In den letzten Jahren haben einige Brüder den Orden verlassen, oft aufgrund eines vernachlässigten Gebetslebens. Das Generalkapitel erkannte, dass das Gebet oft zugunsten anderer Tätigkeiten in den Hintergrund gerät.
Die Chorherren, die sich heute als "Chorbeter" verstehen, leben diese Zentrierung auf das Gebet in besonderer Weise. Ihr regelmässiges Stundengebet in der Hofkirche ist eine identitätsstiftende Praxis, die ihre Gemeinschaft stärkt.
Höhepunkt des Tages waren das gemeinsame Mittagsgebet und die anschliessende Meditation. Der Tag endete mit einem festlichen Mahl, bei dem die neu gestärkte Brüderlichkeit gefeiert wurde.
Die franziskanische Tradition versteht das Gebet als ganzheitliche Lebenshaltung. Wie Bonaventura über Franz von Assisi sagte: "Franziskus war weniger ein Betender als vielmehr selbst ein Gebet."
Das von Papst Franziskus zum "Jahr des Gebets" erklärte Jahr 2024 unterstreicht die Bedeutung des Gebets für die gesamte Kirche. Für die Kapuziner und Chorbeter in Luzern bietet dies eine Chance, ihre Gebetspraxis zu vertiefen und als Inspiration zu wirken.
Dieser Austausch im Kloster Wesemlin war ein lebendiges Zeugnis dafür, wie traditionelle Werte in einer modernen Welt gelebt werden können. Er zeigte, dass das gemeinsame Gebet nicht nur Gemeinschaften zusammenhält, sondern auch Türen für neue Formen der Zusammenarbeit öffnet.
bruder george