Zum Hauptinhalt springen

Augen auf. Welt aus.

Manchmal braucht es eine VR-Brille, um genauer hinzuschauen – und danach den Mut, nichts mehr anzuschauen.

Im Kapuzinerkloster Wesemlin über Luzern konnten Besucherinnen und Besucher bei «Fussspuren von Franziskus» beide Erfahrungen machen. Zwei von acht Stationen führten auf scheinbar entgegengesetzten Wegen zu derselben Frage: Was nehmen wir wahr, wenn der Alltag für einen Moment Pause macht?

Der erste Weg begann mit einer VR-Brille. Für 800 Sekunden öffneten sich neue Perspektiven auf die vertrauten Räume und den Garten des Klosters. Durch die Bilder führte Mia, ein Mädchen mit einem neugierigen Blick auf die Welt. Ihre Stimme erschloss den Sonnengesang des Franziskus: Sonne, Mond, Wind und Wasser erschienen nicht als Dinge, sondern als Geschwister. Was nach einem alten Gedicht klingt, wurde zu einer persönlichen Begegnung mit Licht, Bewegung und Leben. Die Technik schuf dabei nicht Distanz, sondern Nähe. Sie lud dazu ein, mit den Augen eines Kindes hinzuschauen und im scheinbar Gewöhnlichen etwas Besonderes zu entdecken.

Nach dem Abnehmen der Brille wartete wenige Schritte weiter eine überraschende Wendung. Im Gebetschor gab es keine bewegten Bilder und keine erzählende Stimme. Hier begann die zweite Erfahrung: nochmals 800 Sekunden, diesmal in Stille. Monika Schmid und Bruder Josef Regli hatten diesen Raum des Innehaltens gestaltet. Niemand musste etwas verstehen, beantworten oder leisten. Es genügte, Platz zu nehmen und wahrzunehmen, was ohne Ablenkung auftauchte. Die Einladung knüpfte an Franziskus an, der sich zurückzog, um seinem Leben eine Richtung zu geben.

So unterschiedlich die beiden Stationen waren, so unmittelbar ergänzten sie sich. Die eine lenkte den Blick auf die Welt, die andere auf das eigene Innere. Beide schufen Raum für Aufmerksamkeit – und für die Frage, was uns mit dem Leben um uns herum verbindet.

Darin zeigte sich auch etwas vom Kapuzinerkloster Wesemlin selbst: Tradition blieb nicht hinter Klostermauern verborgen, sondern wurde mit heutigen Mitteln zugänglich. Brüder und Mitwirkende brachten einen jahrhundertealten Text mit digitalen Bildern und einer einfachen Erfahrung des Stillwerdens ins Gespräch. Am Ende stand keine Entscheidung zwischen Technik und Rückzug, sondern die Entdeckung, dass beides einander ergänzen kann.

Und beim Hinausgehen blieb eine Einladung: der Welt mit offenen Augen zu begegnen und sich selbst einen stillen Moment zu gönnen.

- bruder george

BarrierFree

Sprache

Text-zu-Sprache

💡Markieren Sie Text und klicken Sie auf den Button oder verwenden Sie Strg+R
⌨️Tastenkürzel: Strg+R

Schriftgröße

Schriftgröße
Zeichenabstand

Kontrast

Links

Zusätzliche Funktionen