8 × 800 = 1 Francesco
Auf dem Wesemlin in Luzern beginnt die Antwort mit einer ungewöhnlichen Idee: acht Stationen, acht unterschiedliche Perspektiven und eine Begegnung mit Francesco, Franz von Assisi.
Ausgangspunkt war die Frage, wie sich ein Mensch neu erzählen lässt, dessen Leben selbst nach acht Jahrhunderten nichts von seiner Anziehungskraft verloren hat. Im Jahr 2026 jährt sich sein Tod zum 800. Mal. Statt eines klassischen Rückblicks entstand deshalb ein Erlebnis, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.
Im Zentrum steht Francesco, wie ihn die Kapuziner bis heute liebevoll nennen. Sein Leben war kurz, seine Wirkung jedoch aussergewöhnlich. Kaum ein anderer Heiliger hat die Spiritualität, die Kirche und den Blick auf die Schöpfung so nachhaltig geprägt. Doch Francesco lässt sich nicht auf eine einzige Geschichte reduzieren. Deshalb eröffnet das Wesemlin mehrere Zugänge zu seiner Person. Jede Station beleuchtet eine andere Facette seines Denkens, Handelns und Glaubens.
Wer den Rundgang beginnt, taucht Schritt für Schritt in verschiedene Welten ein. Bilder führen nach Assisi und an Orte seines Lebens. Eine virtuelle Reise erschliesst den Sonnengesang auf neue Weise. Musik, Quizformate und digitale Erzählformen schlagen Brücken in die Gegenwart. Daneben gibt es Räume für Fragen, persönliche Gedanken und bewusste Momente der Stille. Die Reihenfolge bleibt frei, denn jede Person soll ihren eigenen Weg zu Francesco finden können.
Gerade darin liegt die besondere Stärke des Konzepts. Aus vielen einzelnen Eindrücken entsteht langsam ein grösseres Bild. Francesco erscheint nicht als historische Figur auf Distanz, sondern als Mensch mit Mut, Klarheit und ungewöhnlicher Kreativität. Er verliess den Wohlstand seiner Herkunft, suchte die Nähe zu Benachteiligten und zeigte, dass Überzeugungen glaubwürdig werden, wenn sie gelebt werden. Seine Spiritualität war nie Theorie. Sie war ein Lebensstil.
Besonders sichtbar wird dies in seinem Blick auf die Schöpfung. Francesco sprach von Bruder Sonne, Schwester Mond und Schwester Wasser. Was damals ungewöhnlich wirkte, gewinnt heute neue Aktualität. Seine Haltung erinnert daran, dass Verbundenheit mit der Welt nicht bei Worten endet, sondern in der Art beginnt, wie wir leben und handeln.
Auch das Kapuzinerkloster Wesemlin lebt von dieser Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart. Hoch über Luzern gelegen, bietet es Raum für Begegnungen, Fragen und neue Perspektiven. Hier wird franziskanisches Erbe nicht konserviert, sondern immer wieder neu übersetzt. Menschen verschiedener Generationen kommen zusammen, tauschen Erfahrungen aus und entdecken, dass alte Geschichten überraschend viel mit ihrem eigenen Leben zu tun haben können.
So führt der Weg am Ende nicht zu einer fertigen Antwort, sondern zu einer Begegnung. Acht Perspektiven werden zu einem Ganzen. Aus einer geschichtlichen Erinnerung wird eine persönliche Erfahrung. Und aus einer Zahl entsteht eine Einladung.
8 × 800 = 1 Francesco.
Am Sonntag, 18. Oktober 2026, von 14.00 bis 18.00 Uhr sind alle eingeladen, im Kapuzinerkloster Wesemlin auf Entdeckungsreise zu gehen und Francesco neu zu begegnen.