Zum Hauptinhalt springen

Konzert zum Fest Maria auf dem Wesemlin

Am 29. Mai 2026, dem Festtag Maria auf dem Wesemlin, verwandelt sich die Kapuzinerkirche in einen Raum voller Klang und Besinnung. Das Orgelkonzert führt durch mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte – mit Werken von Heinrich Scheidemann, Johann Sebastian Bach und Naji Hakim. Alle Stücke sind vom Thema „Maria“ inspiriert und öffnen eine musikalische Reise durch meditative Tiefen und festliche Höhepunkte.

Zwischen den musikalischen Teilen trägt Simone Parise die Texte vor. Seine Impulse spannen einen Bogen von der Vision Gottes für uns Menschen – mit einem Hinweis auf den Garten Eden und Maria als „neue Eva“ – hin zur Vision einzelner Menschen: zu Marias Ja-Wort, ihrem Magnificat und zur Marienerscheinung auf dem Wesemlin als persönlicher Glaubenserfahrung. Abschliessend lädt er dazu ein, darüber nachzudenken, welche Vision wir heute – individuell und als Gemeinschaft – tragen und leben.
Ein besonderer Akzent gilt dem Heiligen Franziskus, dessen Jubiläum uns daran erinnert, wie sehr auch er ein Mensch der Vision war. Seine Bewegung steht bis heute vor der Aufgabe, diese alte, kraftvolle Vision neu zu aktualisieren und mit Leben zu füllen.

Musik: Franz Schaffner; renommierter Organist, Cembalist und Dirigent, ehemaliger Organist der Franziskanerkirche Luzern, künstlerischer Leiter des Bach Ensembles Luzern, Träger des Edwin Fischer-Gedenkpreises.
Texte: Simone Parise; Theologe, Pastoralraumleiter von Sursee, engagierter Synodalrat, ehemaliger Pfarreiseelsorger an der Franziskanerkirche Luzern, Übersetzer für SRF-Gottesdienstübertragungen, Kichenhistoriker.
Ort: Kapuzinerkirche Wesemlin
Eintritt: Frei, Kollekte
Im Anschluss an das Konzert werden wir bei einem Apéro Zeit haben, um uns über das Gehörte auszutauschen und Gemeinschaft zu pflegen. Dazu sind alle herzlich eingeladen.

Musikstücke: Werke von Joh. Seb. Bach, Heinrich Scheidemann und Naji Hakim.

Heinrich Scheidemann (ca. 1596–1663)
Magnificat im 3. Ton
– Versus 1 und 2
– Versus 3 und 4

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Choralvorspiel «Den Herren will ich loben» BWV 735
Fuge über «Magnificat» BWV 733

Naji Hakim (1955-)
Salve Regina
Mariales
– Incantation
– Pastorale
– Antienne
– Hymne
– Danse

Franz Schaffner, renommierte Organist, Cembalist und Dirigent Franz Schaffner prägt die Zentralschweizer Musiklandschaft seit Jahrzehnten mit technischer Brillanz und tiefer Hingabe. Als ehemaliger Organist der Franziskanerkirche und langjähriger Weggefährte der Klosterkirche Wesemlin – wo er bis heute regelmässig das Franziskusfest musikalisch mitgestaltet – ist er tief in der regionalen Kirchenmusik verwurzelt. Sein internationales Renommee führte ihn zur Zusammenarbeit mit bedeutenden Musikerinnen und Musikern, was 2014 mit dem ausserordentlichen Edwin Fischer-Gedenkpreis für sein Lebenswerk gewürdigt wurde. Wenn der künstlerische Leiter des Bach Ensembles Luzern an die Orgel tritt, verbinden sich jahrzehntelange Erfahrung und feinfühlige Interpretation zu einem besonderen Klangerlebnis.

Mit Simone Parise begegnet Ihnen eine Stimme, die weit über die Kantonsgrenzen hinaus Gehör findet – unter anderem durch seine Übersetzungen italienisch- und französischsprachiger SRF-Gottesdienstübertragungen. Der im Aargau geborene Theologe mit italienischen Wurzeln vereint fundiertes akademisches Wissen aus Luzern und Padua mit spürbarer Begeisterung für die Seelsorge. Als Pastoralraumleiter von Sursee, engagierter Synodalrat und Historiker bringt er eine frische, zeitgemässe Perspektive in die kirchliche Landschaft ein. Seine geistlichen Impulse öffnen den Blick dafür, wie aus alten Motiven eine neue Schöpfung erwächst und Gott durch Maria eine verheissungsvolle Wende in unsere Welt bringt.

Ein Abend für die Sinne und die Seele – lassen Sie sich von Orgelklang und Marienlob in den Bann ziehen! Beginn ist um 19 Uhr – seien Sie dabei, wenn die Orgel die Geschichte Marias zum Klingen bringt!

Im Kleinen verbirgt Gott das Grosse, im Dunklen das Durchsichtige und im Einfachen das Erhabene. 
Maria ist der Archetyp dieser Wahrheit.
Leonardo Boff (* 1938; brasilianischer Befreiungstheologe) 

Von der Marien-Erscheinung zur Wallfahrtskirche
Die spannende Geschichte des kleinen Marien-Wallfahrtsortes beginnt in kirchenpolitisch unruhigen Zeiten: 1517 schlägt der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentüre in Wittenberg. Theologische und politische Fragen bilden ein explosives Gemisch, auch in der Schweiz. Hier ruft der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli zum Bildersturm auf. Engagierte, aber auch übereifrige Zeitgenossen beginnen mit der Zerstörung zahlreicher Bilder und Kunstwerke in Kirchen und Kapellen.

Dazu verhängen die Reformierten Orte eine Getreidesperre gegenüber den Katholischen Orten. Die Menschen sind aufgehetzt.
Es kommt zu den beiden Kappeler Kriegen. Der erste um 1529 wurde noch friedlich, mit einer gemeinsamen Milchsuppe beendet.
Der zweite, im Oktober 1531, war blutig und endete mit dem Tode Zwinglis.
Schon im Mai dieses Jahres 1531, wurden im Gebiete Luzerns Bilder und Bildstöckli zerstört. So auch auf dem Wesemlin, wo vermutlich von Einheimischen nachts die Steine der alten Kapelle abgetragen und das Bildstöckli in Stücke gehauen wurde.

Am 28. Mai 1531 war gerade Pfingstsonntag. Die Menschen in Luzern sind sehr bedrückt: Am Vorabend war von Zürich und Bern die Nachricht eingetroffen, dass man
über die Innerschweiz eine Proviantsperre verhängen werde.

Am Abend dieses Pfingstsonntages spaziert Ratsherr und Spitalmeister Moritz von Mettenwyl gegen den Wesemlinhügel hinauf.
Im dunkeln Grün zeichnet sich die Felsplatte ab, worauf das zerstörte Kapellchen gestanden ist. Hier liegen die Trümmer -und daneben die Steine des zerstörte Marien-Bildstöckli. Bedrückt und mit trüben Gedanken blickt Moritz von Mettenwyl auf die Stelle.

Und da - war es nur ein Traum oder Einbildung? - erblickt Moritz von Mettenwyl eine jungfräuliche Gestalt, hoch über dem Felsen schwebend, von einem Strahlenkranz umgeben. Die Gestalt trägt ein Kindlein auf dem Arm.
Später hat ein Maler die Begebenheit in einem Ölbild dargestellt. Da sieht man die Gestalt in einer Strahlensonne, die Krone auf dem Haupt und den Mond zu Füssen; die Gottesmutter Maria mit dem Knaben auf dem linken Arm und das königliche Zepter in der rechten Hand.

1574 trafen die ersten Jesuiten in Luzern ein und 1583 die ersten Kapuziner. Sieben Kapuziner zogen ins alte Klösterli St. Anna im Steinbruch.
Ein engagierter Förderer zur Ansiedlung dieser Ordensleute war der mächtige und reiche Ratsherr Junker Caspar Pfyffer. Er beantragte dem Rat von Luzern 1584 auf dem Wesemlin ein Kloster für die Kapuziner zu bauen. Der Rat stimmte zu, unter der Bedingung, dass der Altar an derselben Stelle auf dem Felsen bleiben müsse, wo Maria erschienen war. Und so geschah es: Ratsherr Caspar Pfyffer stellte Land und Geld für den Bau zur Verfügung. Auf Ostern 1589 konnten die Kapuziner das neue Kloster Wesemlin beziehen; und seit dieser Zeit wird der Wallfahrtsort bis zum heutigen Tag von den Kapuzinerbrüdern betreut.

Br. Willi Anderau