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Wem gehört, was wir festhalten?

Manchmal fällt etwas weg, fast lautlos, und erst danach merkt man, wie schwer es gewogen hat. Ein Gedanke, eine Gewissheit, eine stille Hoffnung – weg, wie ein Zahn, der sich löst, wie eine Frucht, die zu lange am Zweig hing. Der Zerfall gehört zum Leben, auch wenn er ungebeten kommt. Und doch liegt in ihm etwas, das nicht nur nimmt.

Was übrig bleibt, wenn das Äussere nachgibt, ist schwer zu benennen. Es ist kein Verlust im üblichen Sinn. Es ist eher eine Lichtung, die sich auftut – unvermutet, still, ein wenig erschreckend in ihrer Weite. Dort, wo das Festhalten aufhört, beginnt etwas zu atmen, das vorher keinen Platz hatte.

Der Durst und der Hunger, von denen Büne Huber und Heidi Happy in ihrem Lied «Durscht & Hunger» singen, sind keine Schwäche. Sie sind das Ehrlichste, was ein Mensch empfinden kann: das Wissen, dass etwas fehlt, und das Unvermögen, es zu benennen. Diese Leere ist kein Versagen. Sie ist die Form, die das Wesentliche annimmt, bevor es eintritt.

Die Fastenzeit kennt diesen Raum. Sie lädt nicht dazu ein, mehr zu leisten oder besser zu werden. Sie öffnet eine Tür nach innen, durch die man eintritt ohne Gepäck. Was man dort findet, ist keine Antwort, sondern eine Stille, die aushält. Eine Stille, die nicht erklärt, sondern trägt.

Sorgen können nicht schwimmen – dieser Gedanke aus dem Lied hat etwas Befreiendes. Was uns drückt, ist nicht dafür gemacht, für immer oben zu bleiben. Es darf sinken. Und mit ihm darf auch der Griff lockerer werden, mit dem wir uns an Dinge klammern, die uns nie gehört haben.

Vergänglichkeit ist kein Feind. Sie ist eine stille Lehrerin, die zeigt, was wirklich trägt. Und was trägt, das bleibt – auch dann noch, wenn alles andere geht.

— bruder george, Talia
Inspiriert vom Lied «Durscht & Hunger» von PATENT OCHSNER.

Die Gedanken sind Teil der laufenden Fastenzeit‑Meditation im Kapuzinerkloster Wesemlin. Jede Woche lassen wir uns von einem Schweizer Mundart Lied inspirieren.