„Trittst im Morgenrot daher“
Das Fahnenschwingen war kein Spektakel, sondern Ausdruck: würdevoll, rhythmisch, beseelt. Jede Drehung erzählte von Zugehörigkeit, Stolz und leiser Freude. Eine Teilnehmerin meinte: „Es war wie ein Tanz für die Schweiz – leicht, fröhlich und würdevoll.“
Haus Francesco und das Kloster – zwei Lebenswelten, die an diesem Abend ganz selbstverständlich zusammenfanden. Bereits zum zweiten Mal feierten wir gemeinsam den 1. August – und man sagt: Beim zweiten Mal beginnt eine Tradition.
Bruder Josef Bründler leitete mit feinem Humor und tiefer Nachdenklichkeit in die Nationalhymne ein. Er sprach von Gehorsam – nicht als Unterwerfung, sondern als Ausdruck von Liebe zum Leben und Respekt vor dem Gewachsenen.
Die Hymne sei kein Befehl, sagte er, sondern ein Gebet, geboren aus dem Vertrauen – nicht aus dem Triumph. In einer Zeit voller Lärm ist es ein Geschenk, eine Hymne zu haben, die von Licht, Stille und Zuversicht spricht. So sangen wir – Bewohnerinnen und Bewohner von Haus Francesco, Brüder, Gäste und Freunde – vereint und bewegt.
„Wenn der Alpenfirn sich rötet…“ – ein Moment, in dem die Zeit stillzustehen schien. Viele erzählten danach von Dankbarkeit: für das offene Tor, das gute Essen, das herzliche Miteinander. Eine Frau sagte: „Ich wollte eigentlich zur Familie, aber hier habe ich mich genauso zu Hause gefühlt.“
Die Tische waren festlich gedeckt, die Gespräche offen, die Atmosphäre herzlich.
Zwischen Liedern und Lachen entstand etwas, das man nicht planen kann: echte Gemeinschaft. Als am Ende der erste Regen fiel und alle mit anpackten, war da dieses stille Einverständnis: Wir gehören zusammen.
Ein kleines Fest – aber eines mit grossem Herz und grosser Wirkung. Nicht spektakulär – aber bedeutungsvoll. Ein Abend, der nicht inszeniert war, sondern gewachsen ist aus der Offenheit der Begegnung. Wie Bruder Josef sagte: „Eine Landeshymne entsteht nicht auf Befehl – sie liegt stillbereit in der Truhe der Vorsehung.“
Vielleicht gilt das auch für Heimat: Sie geschieht dort, wo Menschen sich einander zuwenden.
Am Schluss sang Maya ihr Lied: „Möge Heilung geschehen…“ – ein Refrain, der nachklingt wie ein Gebet. Für die Welt, für den Frieden, für unsere Gemeinschaft – und für das, was noch wachsen darf.
Und während der Duft von Grillwürsten und Kaffee durch den Hof zog, wussten wir: Dieser Abend hat Spuren hinterlassen. Ein Gast sagte zum Abschied: „Es war nicht nur schön. Es war bedeutsam.“ Und vielleicht war es genau das – ein stilles Morgenrot mitten im Alltag.
- bruder george