Heilige Nacht im Kreise der Kapuziner-Familie
Drei musikalisch begabte Brüder lassen Flöten und Violinen erklingen und erfüllen den Raum mit den himmlischen Klängen von Händels Adagio, Sinfonia und Ritornell. Die Melodien von In dulci jubilo und O Freude über Freude verweben sich mit der festlichen Atmosphäre. Es ist, als ob die Musik eine goldene Brücke zwischen Himmel und Erde schlägt.
Im festlich geschmückten Refektorium versammeln sich die Brüder vor einer prachtvollen Weihnachtsdekoration. Fünfzehn Kerzen flackern sanft und tauchen den Raum in ein warmes, einladendes Licht. Die Flammen scheinen still zu stehen, als ob sie andächtig lauschen, wie Händels Meisterwerke den Raum durchziehen.
Traditionelle Weihnachtslieder wie O du fröhliche und Stille Nacht erklingen aus den Kehlen der Brüder. Ihre Stimmen verschmelzen zu einem harmonischen Chor, die vertrauten Melodien wecken Erinnerungen und lassen die Herzen höherschlagen.
In diesem Moment der Brüderlichkeit rezitieren die Kapuziner gemeinsam Psalm 147 und das Canticum aus dem Kolosserbrief. Die Worte der Heiligen Schrift verbinden sich mit den nachklingenden Tönen von Händels Musik zu einer spirituellen Symphonie.
Den Höhepunkt der Feier bildet ein tief bewegendes Gebet von Heribert Ahrens. „Du heruntergekommener Gott“, beginnt der Text und lädt die Brüder ein, Gott in der Nähe zu suchen – nicht in der Ferne, sondern im Unscheinbaren, bei den Kleinen und den Schwachen.
In dieser heiligen Nacht wird das Kloster zu einem Ort, an dem die wahre Bedeutung von Familie neu erlebbar wird: In der Gemeinschaft der Brüder, im Zusammenklang von Musik und Gebet, in der Verbindung von alter Tradition und lebendiger Gegenwart. Weihnachten wird hier zu einem Fest, das die Herzen berührt und die Seelen wärmt – ein Zeugnis dafür, dass die schönsten Geschenke nicht in Papier gewickelt sind, sondern in der Gegenwart jener, die wir Familie nennen.
- bruder george