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Gebet für Mitglieder des Freundeskreises

Der zweite Adventssonntag ist dem Freundeskreis des Kapuzinerklosters Wesemlin gewidmet. Dieses Jahr verwöhnte der Kirchenchor Buchrain unter der Leitung von Zsuzsanna Szabó die Gottesdienstbesuchenden. Irène Stadelmann spielte die Querflöte und Voichita Nica am E-Piano. Anschliessend traf man sich beim Apèro im Kreuzgang. Im Advent ist auch das Klosterlädeli geöffnet.

Bruder George beschenkte die Besuchenden mit einer wunderbaren Predigt, die Sie hier nachlesen können.

Getragen ans Ziel – Gemeinschaft des Glaubens

Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Mitglieder des Freundeskreises,

manchmal braucht es nur ein Bild, um das Herz zu öffnen.

Ein Bild, das alles sagt – Marathon der Barmherzigkeit

Vor einiger Zeit sah ich ein Video. Ein Marathonläufer – kurz vor dem Ziel – bricht zusammen. Völlig erschöpft. Er fällt hin. Zwei andere Läufer kommen. Sie halten nicht an, um selbst zu gewinnen. Sie nehmen ihn in die Mitte. Einer rechts, einer links. Sie stützen seine Arme. Gemeinsam gehen sie über die Ziellinie. Der Einzelne hätte es nicht geschafft. Gemeinsam gelang es.

Dieses Bild kommt mir heute wieder in den Sinn. Besonders, wenn ich an euch denke – an den Freundeskreis des Klosters.
In der Lesung haben wir von Mose gehört. Sein Auftrag ist klar:
Hände heben.
Beten.
Solange er das kann, hat Israel eine Chance.
Aber die Arme werden schwer.
Sie zittern, sie sinken.
Und dann?
Aaron und Hur kommen. Sie stellen einen Stein hin.
Mose setzt sich. Sie halten seine Arme.
Einer rechts, einer links.
So kann das Gebet weitergehen. So kommt die Kraft.

Ist das nicht ein starkes Bild?
Für das, was wir hier sind?
Für das, was Gemeinschaft bedeutet?
Für das, was ein Freundeskreis bedeutet?

Ihr seid unser Stein – Hände, die Gebet tragen

Wir Kapuzinerbrüder stehen da – auf unserem Hügel.
Im Gebet. Tag für Tag.
Aber auch uns werden die Arme schwer.
Auch wir brauchen einen Stein. Und Hände, die uns stützen.
Ihr seid diese Hände.
Ihr seid dieser Stein.
Durch eure Verbundenheit. Durch eure Besuche. Durch eure Unterstützung.
Ihr macht es möglich, dass wir im Gebet ausharren.
Für euch. Mit euch. Für die Welt.

Und dieses Gebet ist nicht ein leises, höfliches Flüstern.

Im Evangelium hören wir von einer Witwe. Sie gibt nicht auf. Sie klopft an. Immer wieder. Bei einem Richter, den Gott nicht kümmert. Sie bleibt dran. Und am Ende öffnet sich die Tür.
Nicht weil sie mächtig ist. Sondern weil sie beharrlich ist.

So sollen wir beten, sagt Jesus. Immer. Ohne nachzulassen. Auch wenn es müde macht.

Und das tun wir. Jede Woche erreichen uns viele Gebetsanliegen.
Per Mail. Per Brief. Mündlich.
Namen. Sorgen. Hoffnungen.
Manchmal ein Satz.
Manchmal eine lange Geschichte.
Wir tragen sie in die Kapelle.
In die Eucharistie.
Ins Stundengebet.
Ohne diese Anliegen könnten wir nicht für euch beten. Wir tragen sie vor Gott. Ganz besonders heute – am zweiten Adventssonntag – halten wir euch alle, eure Familien und eure Anliegen in unseren erhobenen Händen.

Offene Körbe – Das Kloster als Krippe für Suchende

Und während wir beten, schaut man in dieser Kirche auf eine besondere Gestaltung. Die offenen, geflochtenen Körbe. Von Bruder Paul, Rita und Elisabeth vorbereitet.
Geflochtene Körbe. Sie erinnern an Krippen.
An Futtertröge.
An Orte, an denen Leben genährt wird.
„Krippe“ heisst ursprünglich: geflochtener Behälter.
Ein Ort der Geborgenheit.
Ein Ort, der aufnehmen kann.

Die Körbe hier, sind noch leer. Aber sie warten. Sie sind offen. Offen wie das Kloster sein möchte:
ein Ort für Suchende,
für Zweifelnde,
für Menschen, die einen Platz brauchen,
an dem sie ankommen dürfen.
So wie Maria und Josef einen Ort brauchten – und ihn fanden.
In einem Stall.
An einer Krippe.

„Sie legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ so steht es geschrieben.

Ihr, liebe Mitglieder, helft mit, dass dieses Kloster ein solcher Ort bleibt. Ein Ort wie eine Krippe.
Geflochten.
Tragfähig.
Offen.
Dafür danken wir euch von Herzen.

Das Gebet – Eine Krippe aus Vertrauen

Und so kann man sagen:
Gebet ist eine Krippe.
Eine Krippe aus Worten.
Oder manchmal ohne Worte.
Eine Krippe aus Vertrauen.
Wenn einer erschöpft ist – tragen andere.
Wenn einer nichts mehr sagen kann – spricht die Gemeinschaft weiter.
Wenn einer nicht mehr hofft – hält eine andere Person die Hoffnung hoch.

Das gilt auch heute – in dieser Messe.
Der Chor singt.
Die Kirche ist erfüllt von Erwartung.
Die Körbe sind bereit.
Und wir dürfen mit allem, was wir sind, hineingelegt werden – ganz schlicht.

Wo finden wir den Glauben? Dort, wo wir einander halten

Jesus fragt am Schluss des Evangeliums: «Wird der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?»

Ja – dort, wo Menschen einander stützen.
Ja – dort, wo jemand beharrlich betet.
Ja – dort, wo ein Ermüdeter nicht allein bleibt.
Ja – dort, wo Liebe trägt.

Ich denke zurück an den Marathonläufer. Er kam nicht allein ans Ziel. Er wurde gehalten. Seine Schwäche wurde getragen.
Das ist Glaube.
Nicht heroisch.
Nicht einsam.
Sondern gemeinsam.

Dafür lasst uns danken.
Und lasst uns so weitergehen – gestützt und stützend.
Bis wir alle, gemeinsam, das Ziel erreichen.

So gehen wir weiter in diesem Advent:
Mit erhobenen Händen, wenn möglich.
Mit gestützten Händen, wenn nötig.
Aber nie allein.

Amen.