Brodelnder Käse, kühle Köpfe
Im Refektorium des Kapuzinerklosters Wesemlin, wo sonst die Brüder und Klostergeschwister ihr Mittagessen einnehmen, stand an diesem Tag nicht nur ein Topf mit brodelndem Käse – sondern auch die Frage im Raum: Kann man Fondue eigentlich bei 30 Grad essen? Die Antwort kam prompt, und zwar in Form von Lachen, Klirren von Gläsern und dem ein oder anderen „Ja, aber nur mit eiskaltem Weisswein!“ – serviert von Bruder Josef Bründler, der sich tapfer als Kellner in einer Runde von Feinschmeckern und einer ehemaligen Hoteldirektorin behauptete.
Denn hier, zwischen den alten Klostermauern, traf an diesem Mittag nicht nur Käse auf Brot, sondern auch drei Gemeinschaften aufeinander: die Kapuzinerbrüder, die Klostergeschwister und die Bewohner:innen von Haus Francesco. Was als einfaches Essen begann, wurde schnell zu einem Fest der Begegnung – ein Fest, das zeigte, wie aus geteiltem Käse geteilte Freude wird. Die Fondue-Partei jubelte (die Raclette-Fraktion hielt sich tapfer zurück und tröstete sich mit dem Gedanken: „Nächstes Mal sind wir dran!“), und selbst der eine oder andere, der sonst eher zu den „Leberli-Enthusiasten“ zählt, liess sich vom Gemeinschaftsgeist anstecken.
Die Gespräche sprudelten so lebhaft wie der Käse im Caquelon: Über den Garten, den Sommer, das Leben im Kloster und die kleine Revolution, die es bedeutet, wenn man plötzlich nicht mehr allein in seiner Wohnung, sondern gemeinsam im Refektorium abwäscht, betet – oder einfach nur einen Kaffee trinkt. „Mehr als ein Dankeschön“, sagte einer. „Besser kann man es nicht machen“, fügte ein anderer hinzu. Und eine dritte Stimme brachte es auf den Punkt: „Geschwisterlichkeit ist kein Event. Sie ist ein Prozess, der mit einem Fondue beginnt und mit dem Wissen weitergeht, dass man nicht vergessen wird.“
Denn hier, in diesem Haus, geht es nicht nur um Wohnen, sondern um das, was dazwischen passiert: um das Achten, das Auffangen, das gemeinsame Lachen über die kleinen Eigenheiten des Alltags. Um den Moment, in dem jemand stolz erzählt, wie er in der Militärküche die Kunst des Sossenbindens erlernte – und heute noch mit Leidenschaft am Herd steht. Oder um die Erkenntnis, dass man selbst im Sommer Fondue essen kann, solange der Wein nur kalt genug ist.
Am Ende des Essens war nicht nur der Käse aufgebraucht, sondern auch die letzte Skepsis. Die Frage, ob man solch ein Fest wiederholen solle, beantwortete sich von selbst – und die Antwort klang wie ein Echo durch das Refektorium: „Natürlich!“ (Und falls jemand zweifelt: Die Fondue-Partei hat bereits die nächste Runde geplant.)
- bruder george