10 Jahre Gemeinschaftsgarten im Kapuzinergarten Wesemlin
Der Klostergarten als Nutzgarten
Über 430 Jahre war der Kapuzinergarten für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. 1960 erreichte die Brüdergemeinschaft ihren Höchststand: Damals lebten 63 Kapuzinerbrüder im Kloster. Mindestens drei Brüder waren mit der Bewirtschaftung des Nutzgartens beschäftigt. Vor allem Gemüse für die Selbstversorgung wurde angebaut.
Beginnende Öffnung des Klostergartens
2002 wurde der Garten für den «Regenbogentreff» für Menschen mit einer leichten Beeinträchtigung in der ehemaligen Kloster-Schreinerei zugänglich gemacht.
Ab 2004 steht der Garten zudem den Bewohnerinnen und Bewohnern des Betagtenzentrums Viva Wesemlin als Erholungsraum zur Verfügung.
Umbau und Öffnung des Klosters
Der fehlende Nachwuchs und der zunehmend kleiner werdende Kapuzinerorden führten dazu, dass das grosse Kloster 2015 umfassend saniert und umgebaut wurde. Ein Teil der bisherigen Klosterräume wurde einer neuen Nutzung durch die Praxisgemeinschaft «Medicum Wesemlin» zugeführt. Zudem entstanden auch Studios für «Klosternahes Wohnen».
Die Brüdergemeinschaft zog sich in den ursprünglichen Teil des Klosters zurück, der für 15 Brüder konzipiert wurde. Weiters beherbergt das Klostergebäude die Büros der Verwaltung der Schweizer Kapuzinerprovinz sowie das Provinzarchiv mit der historischen Bibliothek.
Neukonzeption des Kapuzinergartens
Mit der Sanierung und dem Einzug des Ärztezentrums «Medicum Wesemlin» wurde der Garten 2015 vollständig für die Öffentlichkeit geöffnet. Damit verbunden war eine grundsätzliche Neukonzeption seiner Nutzung. An dieser Neukonzeption war Br. Paul Mathis als Klostergärtner seit Dezember 2015 massgeblich beteiligt. Ein besonderes Anliegen war ihm, den Garten auch für Menschen in besonderen Lebenssituationen zu öffnen. Er nahm deshalb Kontakt mit dem Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) auf. Daraus entstand die Zusammenarbeit im Projekt "Garten und Landwirtschaft", das insbesondere geflüchteten Menschen Räume und Beschäftigungsmöglichkeiten bot.
Entstehung des Gemeinschaftsgartens
Im Februar 2016 kam zusätzlich eine Anfrage aus dem Quartier: Der Quartierbewohner Lukas Bäurle suchte einen geeigneten Ort für einen Gemeinschaftsgarten. Damit entstand eine weitere wichtige Nutzungsidee: Der Kapuzinergarten sollte nicht nur öffentlicher Erholungsraum, sondern auch ein Ort der Begegnung, des gemeinsamen Gärtnerns und des Austauschs im Quartier werden.
Heilpflanzengarten
Seit März 2019 ist der Heilpflanzengarten des Luzerner Apothekenvereins in den Kapuzinergarten integriert. Seit 2023 wachsen die Heilpflanzen in mehreren Pflanzinseln im Eingangsbereich des Medicums.
Wegzug des SAH und Vergrösserung des Gemeinschaftsgartens
In den ersten vier Jahren teilten sich das SAH und die Quartierbewohnerinnen und -bewohner die Gartenfläche. 2020 fand das Projekt «Garten und Landwirtschaft» des SAH auf der Weberwiese im Meierhöfliquartier in Emmenbrücke ein geeigneteres und grösseres Areal und zog vom Kapuzinergarten weg.Mit dem Wegzug des SAH verdoppelte sich die für den Gemeinschaftsgarten verfügbare Fläche. Heute beteiligen sich 21 Haushalte am Gemeinschaftsgarten.
Der Kapuzinergarten ist damit zu einem offenen Ort der Begegnung, des gemeinsamen Gärtnerns, der Erholung und der Besinnung geworden.
Br. Paul Mathis